25.06.2026

Erster Tag Mestia ⚡

Der erste Tag in Mestia begann sehr schoen - Wir haben die Strapazen des vorherigen Tages mit 10+h Schlaf auskuriert, lecker Kaffee in der Sonne mit Gipfelpanorama genossen, einer Eidechse auf der Terrasse hallo gesagt und uns gegen Mittag auf den Weg zum Mestia Kreuz gemacht. Vor uns lagen ca. 750 Hoehenmeter und knapp 4h Wanderung, meistens Aufstieg & Gekraxel. Auf dem Weg hoch trafen wir zwei junge Burschen, einer von ihnen trug eine Plastiktuete unter dem Shirt. Nachdem Frank ihn fragte was das wohl sei, meinte er, dass er der nationale Boxingchampion ist (Jugendbereich, Anm. d. Redaktion) und gerade auf Schwitztour ist. Mit einem “hell yeah brother” und einer Fistbump verabschiedete Frank ihn und wir zogen weiter.

Frede auf dem Berg

Wir waren guter Dinge, der Ausblick war wunderschoen und mit jeder Biegung wurde der Ansteig steiler. Nach dem laut Frank “zachen Abschnitt”, ca. 30min vor dem Gipfelkreuz machten wir eine kurze Verschnaufpause, als ploetzlich ein lautes Knallen und Donner uns aufschrecken liess. Eine Gewitterwolke hatte sich ueber uns verirrt, und bei den Bergen hier kracht das deutlich anders. Von der Situation etwas ueberfordert beschlossen wir, erstmal dort zu bleiben wo wir waren, weg von blankem Fels, Wasser oder alleinstehenden Baeumen (ohne Gewaehr auf richtige Verhaltensweise, vermutlich aber kein schlechter call). Nach ca. 3 Minuten blitzte es erneut auf und wir sahen relativ nah (500m?) bei uns den Blitz runterkommen - mit einem noch viel lauteren Knall. Frede warf sich auf den Boden, Frank hatte kurz Schnappatmung. Was tun in so einer Situation? Wir haben alle moeglichen Regenradar Apps konsultiert und in keiner gab es irgendeine Wolke. Nach kurzem Notfallplenum beschlossen wir einen sogenannten “Notabstieg” hinzulegen - Wir konnten weder absehen ob es besser wird oder schlechter, aber AUF dem Berg waehrend eines Gewitters klingt beschissener als irgendwo im Gestruepp am Berg. Ein Auszug aus den Saetzen, die in den 20 Minuten Abstieg gefallen sind:

  • “Ah scheisse scheisse scheisse, hier ist Wasser, FUCK”
  • “Endlich kommen meine Trailrunningschuhe auf ihre Kosten”
  • “Ich glaub da hinten klarts auf”
  • “Ich glaub da hinten kommt ne FETTE Wolke”
  • “Ah guck mal, noch ein Paerchen was den Berg runterrennt”
  • “Hier sind kurz keine Felsen, lass mal speedo machen”

Idyllisch

Long story short: Wir haben es runtergeschafft, es hat kein einziges Mal mehr an dem Tag geblitzt oder gewittert (nur geregnet), wir waren aber trotzdem sicher dass wir eine gute Entscheidung getroffen haben. Auf dem Weg runter trafen wir noch ein mittelaltes russisches Paerchen, die komplett gechillt waren und zumindest der Mann sich von Aufstiegsplaenen nicht abbringen liess. Er sei wohl schon auf dem Elbrus (hoechster Berg im Kaukasus, 5642m Hoehe Anm. d. Redaktion) in einen Sturm gekommen, das geht schon alles. Frank sagte darauf “We are from lowland germany, no thank you”

Frank auf dem Berg

Der Rest des Tages war relaxed, mit gutem Essen und neuer Dankbarkeit fuers Leben. :')

Am Abend begegneten wir nochmal der Eidechse, diesmal jedoch unter unserem Bett. Frank versuchte sie heraus zu komplimentieren, allerdings ohne Erfolg - Der Aufenthaltsort der Eidechse ist noch ungeklaert, wir vermuten sie in der Wand. Frank hat im Anschluss professionell Saunalatschen und Muelltueten in den kleinen Schlitz gesteckt mit der grossen Hoffnung, dass es noch einen anderen Weg fuer Eidechsi raus gibt. Ob es ein Wiedersehen gibt, erfahrt ihr in der naechsten Ausgabe von “Lektionen in Demut - Lowland germans unterwegs an der russischen Grenze”